KA 85 Baubeginn im Hinterhaus

Bauzeichnung vom Hinterhaus mit Beschriftung der Räume, Ende 19.Jhdt

Das Hinterhaus hatte zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung 1993 pro Etage fünf Einraumwohnungen – mit einer gemeinsamen Toilette auf der ‘halben Treppe’. Es gab fließend kalt Wasser, Ofenheizung und größtenteils Einfachverglasung. Also Wohnbedingungen, wie sie um 1900 für “Arbeiterfamilien” galten, die es auf jeden Fall zu ändern galt.

Treppenabsatz im Hinterhaus

Da im Sanierungsplan nur Gelder für zwei Versorgungsstränge vorgesehen waren, mussten pro Etage die fünf Einraumwohnungen zu jeweils zwei großen Wohnungen mit den entsprechenden Grundrissänderungen umgebaut werden.
Für die betroffenen Leute führte dieses zu Problemen: Sie mussten sich für zukünftige Wohngemeinschaften zusammenfinden. Dies war auch der Zeitpunkt, an dem einige der alten BewohnerInnen ausgezogen. Teilweise hatten sie ‘keinen Bock’ auf gemeinsames Wohnen, teilweise hatten sie beruflich keine Zeit, die auf acht Stunden wöchentlich veranschlagte bauliche Selbsthilfe zu leisten.

Abriss der Geschossdecke zwischen Keller und Erdgeschoss

Das Erdgeschoss und die Keller sollten als Gemeinschaftsräume und als hauseigene Druckerei ausgebaut werden. In der Praxis hieß das: Im Keller mussten manche Decken für mehr Raumhöhe abgetragen werden; für die Druckerei musste die Kellerdecke gezielt verstärkt werden. Für den Sportraum war ein ‚schwimmender‘ Fußboden vorgesehen.

Vom ehemaligen Dachboden des Hinterhauses ist nur die Form geblieben. Er wurde für Wohnraum ausgebaut – inklusive Gemeinschaftsdachterrasse und extensiver Dachbegrünung. Dafür mussten alle Stahlträger, jeder Holzbalken und jede Steinpalette vor dem Haus abgeladen, von dort zum umgebauten Lastenaufzug geschleppt, und dann einzeln hochtransportiert werden, denn ein längerfristiger Kraneinsatz wurde uns nicht genehmigt. Dem standen die Oberleitungen der Straßenbahn auf der Kastanienallee im Wege.
Im Herbst 1993 hatten wir begonnen; im späten Frühjahr 1995 war das Hinterhaus bezugsfertig.